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Zwischen Mussolini und Michelangelo

Ein Streifzug durch die italienische Kultur – ein Erfahrungsbericht

Als wir - 82 Abschlussschüler und sechs Lehrkräfte der Realschule Selb –  am 13.09. in Marina di Massa an der ligurischen Küste ankamen, sahen wir zuerst nicht die Bodenplatten aus Carrara-Marmor, die weitläufigen, weiß gestrichene Wandelhallen, von Palmen gesäumte Poolplätze und den weißen Sandstrand. Nach 15 Stunden Busfahrt bei defekter Klimaanlage und 35 Grad Außentemperatur war die Enttäuschung über die einst weiß strahlende neoklassizistische Ferienanlage, die sich farblich an die kleinen Trampelpfade angepasst hatte, groß.
Doch wir wollen uns nicht lange in der von Mussolini geschaffenen Ferienwohnanlage für Waisenkinder aufhalten, sondern die umliegenden Städte besichtigen:

1. Tag: Pisa und Lucca - In Pisa auf der Piazza dei Miracoli begann die Erkundungstour. Größter Publikumsmagnet auf dem Areal war natürlich der schiefe Turm. In den letzten Jahrzehnten wurden so viele Tonnen Zement unter das Bauwerk gepumpt, um es zu stabilisieren, dass es inzwischen sogar wieder besichtigt werden kann. Nach ein paar gemachten Fotos ging es auch schon weiter nach Lucca. Der Rundgang durch dieses bezaubernde Städtchen mit seinen unzähligen Kirchen, verwinkelten Gassen und interessanten Geschäften lud zum Verweilen ein, besonders die Piazza del Mercato, ein wunderschöner ovaler Platz, in dessen Zentrum einst ein Amphitheater gestanden hatte. Anschließend ging es zur Stadtmauer zurück, wo der Bus auf uns wartete, um uns nach Marina di Massa zurückzubringen. Anschließend: Erholung am Strand.

2. Tag: Florenz – Diese bedeutendste Renaissancestadt durfte auf unserem Programm natürlich nicht fehlen. So erhielten wir zuerst eine Stadtführung. Vorbei an Santa Croce mit dem berühmten Grabmal Michelangelos (für uns der Notfalltreffpunkt), weiter durch den Palazzo Vecchio, dem Rathaus und Gerichtsgebäude der Stadt (für uns eine willkommene Abkühlung), dann zum Campanile von Giotto (für uns ein Name, der für gefüllte Haselnusskugeln steht), an den Uffizien vorbei, eine der bedeutendsten Gemäldegalerien (für uns ein Umweg), schließlich zur Ponte Vecchio - für uns einfach nur schön: Diese antike Brücke, auf der im Mittelalter Häuser errichtet wurden, übte einen so großen Reiz aus, dass selbst die Deutschen im Zweiten Weltkrieg sie beim Rückzug nicht gesprengt, sondern lieber die angrenzenden Stadtteile in Schutt und Asche gelegt haben, was man auch an den neueren Gebäuden zu beiden Seiten der Brücke sehen kann. Schließlich kamen wir auf dem Piazza del Duomo beim Baptisterium an, mit seinen bedeutenden Bronzeportalen von Ghiberti. Und gleich gegenüber der bekannte Dom, dessen Kuppel von seinem größtem Rivalen Brunelleschi erbaut wurde. Diese Kathedrale bildete den Auftakt der Renaissancearchitektur und setzte neue Maßstäbe für Kirchenbauten, übertraf die Kuppel mit einer Spannweite von 44 Metern doch die Hagia Sophia und sogar das Pantheon.

3. Tag: Cinque Terre: Den letzten Tag verbrachten wir in Ligurien, in den Cinque Terre, vielleicht der schönsten Landschaft Europas. In La Spezia bestiegen wir das Schiff, um uns von der Küste den fünf ehemaligen Piratennestern (daher „Cinque Terre“) zu nähern. Diese in den Fels gebauten Dörfer lassen sich zwar auch auf dem Landweg erreichen, aber der Blick vom Meer aus ist unvergleichlich schöner. So ließen wir Riomaggiore, Manarola, Corneglia und Vernazza erst einmal rechts liegen und stiegen in Monterosso al Mare aus, wo genügend Zeit für einen ausgedehnten Stadtbummel blieb. Danach ging es zurück mit Zwischenstopp in Portovenere und von dort weiter nach La Spezia. Anschließend per Bus in unser trautes Heim aus Mussolinis Zeiten und nach einer kurzen Nacht wieder nach Selb.

 Bleibt nur noch anzumerken, dass die Fahrt zu kurz war. Man hätte einfach einen Tag früher fahren sollen…                                                                                                                                                             M. Steeb M.A.

 

Bootsfahrt Cinque Terre
Monterossa
Lucca Steg Marina di Massa